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Kettensägen schaffen Fakten am Rohrer Weg
Artikel aus der Filder-Zeitung vom 23.02.2010
Möhringen. Lang hat die Schutzgemeinschaft gegen die Bebauung der Streuobstwiesen im Osten Möhringens gekämpft. Am Ende hat sie verloren. Am Samstag wurden die ersten Bäume gefällt, um Platz für bis zu sieben Einfamilienhäuser zu schaffen. Von Alexandra Kratz
Es scheint, als sei es die Ironie des Schicksals: Noch am Freitag hatte die Schutzgemeinschaft Rohrer Weg zum Baumschnitt eingeladen. Die Stämmchen auf den Streuobstwiesen im Osten Möhringens bekamen ihre Frühjahrskur. Am Samstag rückten dann Arbeiter mit schwerem Gerät an und fällten auf dem Grundstück an der Ecke Rohrer Weg/Udamstraße etliche Bäume. Auf dem Areal sollen in naher Zukunft bis zu sieben Einfamilienhäuser gebaut werden.
 Ursula Minges, Mitglied in der Schutzgemeinschaft Rohrer Weg, spricht von einem traurigen Ereignis. "Dass man so ein kostbares Gut anfasst, ist für mich immer noch unverständlich. Die Streuobstwiesen sind ein ausgewiesenes, hochwertiges Frischluft- Entstehungs- gebiet. Das ist auch in städtischen Gutachten nachzulesen", sagt sie. Die Schutzgemeinschaft sei nicht darüber informiert worden, dass die Kettensägen bereits so bald kreischen würden. Doch letztlich sei es fast zu erwarten gewesen. Schließlich dürfen Bäume laut dem Bundesnaturschutzg esetz nur außerhalb der Vegetationsperiode, also von Anfang November bis Mitte März, gefällt werden - es sei denn man beantragt eine Ausnahmegenehmigung.
Zum Hintergrund: Seit Jahren kämpft die Schutz- gemeinschaft für den Erhalt der Streuobstwiesen im Osten Möhringens und insbesondere um das Areal an der Ecke Udamstraße/Rohrer Weg - was letzteres betrifft, hat der Verein am Ende jedoch verloren. Im Jahr 2007 gab das Verwaltungsgericht einer Klage der Eigentümer des Geländes statt und erklärte einen Bebauungsplan aus dem Jahr 1942 für rechtens. Endgültig den Weg für neue Einfamilienhäuser frei machte die damalige bürgerliche Mehrheit aus CDU, Freie Wähler und FDP im Stuttgarter Gemeinderat. Denn sie verzichtete darauf, juristisch gegen das Urteil vorzugehen. Immerhin: Die Stadträte verständigten sich darauf, den südlichen Bereich des Landschafts- schutzgebiets Rohrer Weg vor jeglicher Bebauung zu schützen (die Filder-Zeitung berichtete).
"Mich ärgert diese Ignoranz gegenüber dem Bürger", sagt Minges und meint damit insbesondere die Ignoranz des Gemeinderats, der damals nicht gegen das Urteil geklagt hat. Die Schutzgemeinschaft selbst ließ nichts unversucht: Vor wenigen Tagen wendete sich der Verein mit einer Petition an den Landtag. "Wir haben noch einmal darum gebeten, dass man das Gebiet in Ruhe lässt." Eine Antwort habe die Schutzgemeinschaft noch nicht erhalten.
In den vergangenen Wochen rief die Schutzgemeinschaft zudem mehrfach zu friedlichen Protestreaktionen auf. Noch immer wedeln die von den Naturschützern gemalten Plakate und Banner im Wind - in unmittelbarer Nähe zu dem großen Schild, auf dem der Bauträger für die geplanten Einfamilienhäuser wirbt und dem kleinen Baubüro, in dem sich potenzielle Käufer über Einzelheiten informieren können. "Ich mache niemandem, der sein Grundstück verkauft hat oder hier bauen will, einen Vorwurf. Es ist schließlich geltendes Recht. Aber es ist so unendlich schade. Alles soll möglichst schnell wachsen, nur die Natur nicht", sagt Ursula Minges.
Die Schutzgemeinschaft werde weiter aktiv bleiben, kündigt das engagierte Vereinsmitglied an. "Wir haben bisher nicht geschlafen und werden auch jetzt nicht einschlafen. So lang wir noch Luft holen können, werden wir weiter um die Streuobstwiesen kämpfen, alte Bäume pflegen und neue Bäume pflanzen."
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STUTTGARTER ZEITUNG:
„Ohne frische Luft gibt es kein Wohlfühlwetter“
Nachts atmet Stuttgart durch: Frische Luft drückt den täglichen Abgasmief und die über den Dächern lastende Wärmeglocke aus der Stadt. Der Klimatologe Jürgen Baumüller hat die empfindlichen Atemwege 30 Jahre lang untersucht. Er weiß genau, woher in Stuttgart der Wind weht. .... Baumüller geht es aber nicht nur um den Schutz der städtischen Atemwege. Auch die grünen Lungen, wie das Gebiet Rohrer Weg auf den Fildern oder das Gewann Kreutelstein in Bad Cannstatt, in denen die für die Bäderstadt unverzichtbare Kaltluft entstehe, müssten konsequent geschützt und freigehalten werden. „Denn ohne Quelle brauche ich auch kein Bachbett mehr.“
Vollständiger Artikel
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Lesenswerte Internetsite:
Bürgerinitiative Frischluft für Cannstatt e.V.
http://www.frischluft-fuer-cannstatt.de/
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